"Ministergehälter wurden gekürzt"
Athens Chefdiplomat Droutsas schildert sein Befindlichkeiten und bedankt sich bei den Österreichern für ihre Solidarität.


Droutsas selbstkritisch: "Wir haben an Glaubwürdigkeit verloren"
Griechenlands geschäftsführender Außenminister Dimitris Droutsas ist mit Österreich eng verbunden. Er hat das Theresianum besucht, demnächst begeht er sein 25-Jahr-Matura-Jubiläum. Auch das Studium absolvierte der Europa-Rechtsexperte in Wien. KURIER: Herr Minister, eine Umfrage zeigt, dass 81 Prozent der Österreicher die EU-Hilfe für Griechenland unterstützen. Wie sehen Sie das? Dimitris Droutsas: Das ist sehr positiv. Ich danke der österreichischen Bevölkerung, dem Parlament und der Bundesregierung für diese Solidarität. In so schwierigen Zeiten für uns ist das von einem sehr hohen Wert. Das tut gut. Zuletzt hat sich gezeigt, dass es nicht nur um Griechenland, sondern um die gemeinsame Währung geht. Die Angriffe der Spekulanten richteten sich gegen den Euro, nicht nur gegen Griechenland. Die Einstellung der Österreicher ist ein großer Vertrauensvorschuss. Wird Ihr Land dieser Haltung gerecht? Unbedingt. Österreich kann sich darauf verlassen, dass die neue Regierung mit größtmöglicher Seriosität alle beschlossenen Maßnahmen verlässlich umsetzen wird. Premier Papandreou ist ein Garant dafür. Uns ist klar, dass Griechenland an Glaubwürdigkeit verloren hat. Die wollen wir jetzt zurückholen. Wird sich Griechenland für falsche Statistiken und Budget-Tricksereien bei den EU-Partnern entschuldigen? Es sind Fehler in der Vergangenheit passiert. Vieles ist nicht so gelaufen, wie wir es gerne gehabt hätten. Sie sagen Tricks, das möchte ich von mir weisen. Wenn schon keine Entschuldigung, gibt es Selbstkritik? Die Umstände, was und wie etwas in der Vergangenheit passiert ist, muss man sich sehr genau anschauen. Darüber müssen wir im Kreise der EU-Partner reden. Die Regierung hat eine parlamentarische Kontrollkommission eingesetzt, um Transparenz zu erreichen. Transparenz ist für uns ein Schlüsselwort. Wir wollen Klarheit über die Vergangenheit, wer welche Verantwortung trägt. Gerade ist die jahrelange Steuerhinterziehung eines großen Reeders bekannt geworden. Wie kommt Griechenland zu seinem Geld? Das ist unsere große Herausforderung. Die Regierung hat den absoluten Willen, Steuerhinterziehung zu ahnden. Wir gehen entschieden dagegen vor und werden bald konkrete Ergebnisse haben. Das Ausmaß an Steuerhinterziehung ist für uns sehr negativ. Ist es für Sie und Ihr Land demütigend, wenn deutsche Boulevard-Blätter über "faule Griechen" herziehen? Niemand fühlt sich wohl, wenn so etwas gesagt wird. Was die griechischen Bürger brauchen, ist moralische Unterstützung und nicht solche Titel und Anschuldigungen. Das ist nicht fair. Wir gehen durch schwere Zeiten. Die Sparmaßnahmen treffen jeden Bürger. Die Griechen wissen, dass im Land nicht alles gut gelaufen ist. Die große Mehrheit der Griechen will eine Veränderung. Verzichten auch Sie auf einen Teil Ihres Gehaltes? Selbstverständlich. Wir haben bei uns begonnen, die Ministergehälter wurden um mehr als 20 Prozent gekürzt. Darf ich fragen, was Sie jetzt verdienen? Etwa 3500 Euro brutto, zwölf Mal. Was bringt der gerade stattfindende Besuch der türkischen Regierung in Athen? Es ist der Anfang einer neuen Annäherung. Wir setzen das Modell fort, das Papandreou von 1999 bis 2004 als griechischer Außenminister gestartet hat. Es gibt offene Konfliktpunkte. Jetzt konzentrieren wir uns aber auf das, was uns verbindet. Gibt es Bewegung in der Zypern-Frage? Darüber wird geredet. Zypern ist aber keine bilaterale, sondern eine internationale Angelegenheit. Seit Jahren streiten Athen und Skopje über den Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien. Ist eine Lösung in Sicht? Athen hat seinen Teil zu einem Kompromiss beigetragen. Leider haben wir bis jetzt diese konstruktive Haltung vonseiten Skopjes noch nicht feststellen können.
Artikel vom 14.05.2010 | KURIER | Margaretha Kopeinig |